[...]
Ich schreibe zu viel über die Liebe, über Dich
, weil ich so wenig vom richtigen Leben verstehe [...]
Mai 2008
~
[...]
ich wollte küssen, - und zwar so, dass die Welt stehen bleibt [...]
Aus: Der manische Versuch Mensch zu sein,
Interlude: hail of [mind] bullets, Pt.2
~
[...] I dare you to move
I dare you to move
Like today never happened
Today never happened before
Welcome to the fallout
Welcome to resistence
The tension is here
The tension is here
Between who you are and you could be
Between how it is and how it should be (yeah) [...]
Switchfoot – I Dare You to Move
~
Es fällt mir schwer, darüber zu sprechen. Zu schreiben. Zum einen, weil ich mir total albern dabei vorkomme, zu kindisch irgendwie – obwohl ich das doch sein darf. Und zum anderen, weil ich das Gefühl habe, es würde nichts ändern.
Der Song von Switchfoot läuft in Dauerschleife. Man sollte die Lieder, die man so gerne hört, nicht in Dauerschleife laufen lassen. Denn mit dem Überfluss kommt die Gewöhnung, und mit der Gewöhnung kommt die Langeweile. Ein Tag kann vollkommen ausreichen, um sich an einem Song für ein ganzes Jahr lang zu überhören. Auch wenn das jetzt, in diesem Augenblick, schwer vorstellbar scheint.
I dare you to move ... I dare you to move ...
Vollkommen egal, was ich tue. Denke. Sage. Im Grunde dreht sich doch letztendlich alles wieder um diese Gefühlskiste. Die Sache mit der Liebe, vor der man sich doch besser in Acht nehmen sollte. Vor der man sich nicht in Acht nehmen kann, da es einfach passiert. Und niemand danach fragt.
Ganz am Anfang (das muss etwa im November gewesen sein) habe ich mir eine Menge Dinge vorgenommen, bezüglich aller künftigen Beziehungen zu Frauen – wenn es denn welche geben sollte. Es war eigentlich mehr eine Idee als ein Plan, aber trotzdem hat es dieses Mädchen geschafft, alles über den Haufen zu werfen. Oder das Meiste zumindest ...
(Schmollmund + blonde Haaren = gefährliche Kombination)
Ich erinnere mich noch genau, wie ich vor dem Spiegel stand; den Rasierschaum im ganzen Gesicht verteilt, weil ich doch von Trockenrasuren Hautausschlag bekomme, mir in die Augen schaute und dabei schwor, dieses Mädchen niemals
Schatz zu nennen, da es irgendwie bescheuert klingt und so unglaublich stereotyp, und weil es einfach nicht dazu passt. Zu ihr. Wenigstens das konnte ich mir bis heute bewahren. Applaus. Und dann war da noch das Thema mit der Eifersucht.
Erst kürzlich habe ich in einer Ausgabe der
Neon einen dreiseitigen Artikel darüber gelesen, dabei immer wieder mit dem Kopf genickt, weil es so plausibel klang, die vielen Erklärungen über besitzergreifendes Verhalten in Partnerschaften, Rivalität unter Männern und Vertrauen.
Ich habe keine Ahnung, ob es so etwas wie
rückwirkende Eifersucht gibt; der Neid auf die Zeit, die der Ex-Freund der eigenen Partnerin mit ihr zusammen verbracht hat, aber manchmal fühle ich so. Manchmal wäre ich gerne da gewesen ... früher eben. Aber das sind alles Dinge, die sich nicht mehr ändern lassen, denn sie sind einfach geschehen. Und wieder ohne zu fragen.
Da stehe ich nun an einem Punkt mit dem ständigen Gefühl im Hinterkopf, es
besser machen zu müssen,
erfolgreicher zu sein als Steve, der Thailänder mit dem Teddybärgesicht. Vermutlich rührt das von der Tatsache, dass er in ihrem Haus noch ein- und ausgeht, als wäre er dort Zuhause. Er hat zwar keinen Schlüssel mehr, wie ich herausgefunden habe, aber das hindert ihn nicht daran, ihre Eltern zu besuchen oder einfach vorbei zu kommen, um an ihrem Computer etwas auszudrucken. Ich habe ja wirklich nichts dagegen, dass sich die zwei nach ihrer fast vierundzwanzigmonatigen Beziehung noch so gut verstehen, so kumpelhaft miteinander umgehen können, ja, ich bestaune und beneide es sogar, aber irgendwie macht es mich auch wahnsinnig. Diese scheinheiligen Vorwände, diese Besuche in dem Haus, in dem ich mich doch so wohl fühle. Deswegen stehe ich an einem Donnerstagnachmittag vor seiner eigenen Haustür, drücke mit dem Kopf in Schräglage auf die Klingel und warte, bis der Teddy öffnet. Ich denke kurz, dass ich ihn nicht einmal schlagen könnte, egal was passiert, denn dann würde mich vermutlich ihre ganze Familie hassen. Aber so viel zum rivalisierenden Verhalten und den steinzeitlichen Methoden, von denen ich eigentlich kein Fan bin. Und er hat mir ja auch nichts getan. Und dann öffnet er die Tür.
Mit einem Grinsen bittet er mich hinein, reicht mir die Hand, und ich frage ihn, ob wir denn kurz reden könnten. Auf dem Balkon versuche ich dann so ernst wie möglich zu bleiben, denke an den Prinz und an
Real Talk, und auch kurz daran, dass ich mich wohl gerade ziemlich zum Narren mache. Ich sage ihm wie ich mich fühle, wie unglaublich schwer es für mich ist, in seinem Schatten zu leben, woraufhin er mir von Anrufen erzählt, Anrufe ihrer Eltern, den Stimmen am anderen Ende vom Telephon, die einfach nur wissen wollen, wie es ihm geht und wann er denn wieder mal zum Quatschen vorbei kommen würde. Und dann sagt er so etwas wie
Ich glaube, ich bin mehr als nur der Ex-Freund; vielleicht so eine Art Teil der Familie, und ich erkläre ihm, dass es die ganze Sache für mich nicht gerade einfacher machen würde. Im Großen und Ganzen kotze ich mich bei ihm aus, wehleidig, vielleicht zornig oder irgendwo dazwischen. Er hört zu, zieht an seiner Zigarette und sagt dann doch noch ein paar Dinge, die mir einen leichten Anstoß geben, das alles nicht so verbissen zu sehen.
Wir verabschieden uns mit einem Handschlag, wobei ich versuche ein freundliches Gesicht zu machen, und dann steige ich in mein Auto, frage mich, nach welchen Antworten ich denn eigentlich bei ihm gesucht habe, und fühle mich kein Stück besser dabei.
Um es auf den Punkt zu bringen: Ich fühle mich miserabel.
Und habe nicht die leiseste Ahnung, was ich denn dagegen tun kann.
thousanddays - 1. Jun, 13:24